Wir Hospitaleros verbreiten den Ruf unserer Stadt und unseres Landes in alle Welt. Ich habe viele Verlage angeschrieben, das sie bitte unsere Herberge in ihre Pilgerfuehrer aufnehmen. Die Casa Paderborn steht bereits in Pilgerfuehrern in vielerlei Sprachen. Ein japanischer Pilger zeigte mir sogar den Namen "Casa Paderborn" in seinem japanischen Pilgerfuehrer.
Unser Gaestebuch ist voll von Lob der Pilger aus allen Nationen und in vielen Sprachen.
Wir haben hier Menschen aus vielerlei Laendern und Kulturen. Es waren sogar 2 Maedchen aus Israel unsere Gaeste. Sie waren praktizierende Juedinnen. Eigentlich ist die Kueche nicht geeignet, dass die Pilger Ihr Essen darin zubereiten. Sie baten aber unsere Hospitalera Ursula, ob sie sich wohl in unserer Kueche ihr koscheres Mahl zubereiten duerften. Das wurde ihnen selbstverstaendlich erlaubt.
Die beiden waren so unbedarft, dass sie sich in ihrer Heimat Israel keinen Pilgerfuehrer gekauft hatten. Sie glaubten, dass sie sich hier einen Pilgerfuehrer auf Englisch kaufen konnten. Nix da. Hier gibt es selbst in der groessten Buchandlung der Stadt keinen Pilgerfuehrer auf Englisch. Ich habe sie darauf mit einem Pilgerfuehrer auf Englisch versorgt, den ein frueherer Pilger bei uns liegen gelassen hat.
Die Arbeit als Hospitalero ist kein Zuckerschlecken!! Um 5:30 aufstehen und ab 6:00 Uhr das Fruehstueck fuer die Pilger zubereiten. Kurz nach 6:00 Uhr stehen die ersten hungrigen Pilger im Speiseraum. Eigentlich sollten die letzten Pilger die Herberge um 8:00 Uhr verlassen haben. Aber es gibt immer einige Troedler, die erst um 8:30 Uhr abmarschieren. Alle Pilger muessen verabschiedet werden und auf die Schwierigkeiten der kommenden Etappe hingewiesen werden.
Ab 8:30 beginnen wir mit der Reinigung des ganzen Hauses. Das ist eine wahre Keulerei!! Danach muessen Einkaeufe getaetigt werden (Brot, Butter, Marmelade fuer das Fruehstueck, Toilettenpapier und so weiter).
Waehrend dieser Zeit muss immer einer von uns im Hause sein, da bereits am Vormittag die ersten Pilger eintreffen. Wir bieten denen an, ihre Rucksaecke in unserem Keller abzustellen und sich danach auf Entdeckungsreise durch Pamplona zu begeben. So gegen 12:00 haben wir unser Mittagessen. Um 13:00 oeffnen wir die Herberge. Danach treffen langsam die Pilger ein. Sie muessen eingecheckt und mit den Regeln unserer Herberge vertraut gemacht werden. Danach wird ihnen ihr Bett zugewiesen.
Um 22:00 schliessen wir die Herberge und fallen dann totmuede auf unsere Pritsche. Aber es gibt hin und wieder auch Pilger, die sich am Abend in der Stadt verlaufen und darum zu spaet kommen und dann noch Einlass begehren. Wir wollen ja nicht so ganz herzlos sein und und einer von uns steht dann auf und laesst diese verspaeteten Gaeste noch ein.
Obwohl unsere Herberge erst am 1. April 2006 eroeffnet wurde, ist sie auf dem Camino wegen ihrer Gemuetlichkeit und der Herzlichkeit der Hospitaleros beruehmt. Wir Hospitaleros sind wahrlich die Botschafter unserer Stadt und unseres Landes hier.
Die Einladung zu der Veranstaltung des deutsch-spanischen Vereins habe ich von einem einheimischen Freund und Foerderer unserer Herberge erhalten.
Ich habe erst gezoegert, ob ich dort hingehen sollte. Ich hatte ja keine angemessene Kleidung dabei. Wer nimmt schon einen dunklen Anzug und eine Krawatte auf den Camino? ;-)
Ich habe aber trotzden die Gelegenheit beim Schopfe gefasst. So konnte ich vielen Einheimischen von der Existenz unserer Casa Paderborn und unserer Arbeit als Hospitaleros berichten.
Dass zu diesem Ereignis auch eine Delegation der Stadt Paderborn kommen wuerde, war mir nicht bekannt. Wie denn auch? Ich war dann total baff, als ich unter den Gaesten den ehemaligen Kollegen Manfred Schlaffer sah. Ich war ja 31 Jahre lang Beamter der Stadt Paderborn.
Mit ihm war noch ein anderer Kollege gekommen, den ich nicht kannte. Ich habe die beiden eingeladen, doch auch in unsere Herberge zu einen kurzen Besuch zu kommen. Aber deren Terminkalender war picke-packe voll und sie hatten keine Zeit dazu.
Wie kann es eigentlich angehen, dass eine offizielle Delegation der Stadt Paderborn hier eintrifft und wir wissen nichts davon und die wissen nichts von uns und unserer herberge "Casa Paderborn"? Das ist eigentlich beschaemend, dass wir so links liegengelassen wurden! Nicht nur beschaemend fuer die Stadt! Sowas schmerzt auch die Hospitaleros und Hospitaleras, dass sie mit derartiger Nichtachtung gestraft werden!! Wir setzen uns durch unsere ehrenamtliche Arbeit und sogar mit unserem finanziellen Einsatz fuer die Voelkerverstaendigung ein! Dazu muss man wissen, das wir ehrenamtlichen Helfer nicht nur unser gemuetliches Zuhause fuer diese Zeit aufgeben und unter primitiven Umstaenden hier leben muessen und auch noch die schwere Arbeit leisten. Wir erhalten von unserer Jakobusgesellschaft einen Verpflegungszuschuss von 10 Euro pro Tag. Die Kosten fuer die An- und Abreise zahlen wir aus eigener Tasche.
Freitag, 26. Oktober 2007
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