Man glaubt es nicht, was die Pilger in unserer Herberge so alles liegenlassen. Kleidungsstuecke und Kosmetika bringe ich 2 Tage spaeter zum Obdachlosen-Asyl etwa 400 Meter von unserer Herberge entfernt. Die Sozialarbeiter und die Obdachlosen freuen sich darueber.
Das vergessene Handy
Neulich hat jemand sein Handy bei uns vergessen. Gluecklicherweise war es nicht gesperrt. Es war aber leider schon ziemlich entladen. Ich musste mich also beeilen, um den Eigentuemer ausfindig zu machen. Ich habe also die Adressliste geoeffnet. Es waren alles englische Namen. Der Eigentuemer musste also aus einem englischsprachigen Land kommen.
Aber aus welchem Land? Es haette Grossbritannien, Australien, die USA, Kanada oder irgend ein anderes englischsprachiges Land sein koennen.
Ein Anruf bei jemanden aus seiner Liste waere also sinnlos gewesen.
Wegen des Zeitunterschiedes waere mein Anruf vielleicht mitten in der Nacht gewesen und derjenige haette tief geschlafen und sein Handy ausgeschaltet.
Ich habe also versucht, eine SMS abzuschicken.
Aber Ihr kennt vielleicht die Tuecken bei dem Verfassen einer SMS. Es gibt die Texterkennung und dazu die Textvervollstaendigung. Ich konnte jedenfalls nur Unsinn abschicken. Kurz darauf kam eine englische Nachricht an den Eigentuemer des Handys und darin wurde er gefragt, ob er so frueh an Morgen schon besoffen sei.
Am naechsten Tag war ein junger Englaender in unserer Herberge. Der konnte mit den Handy umgehen. Als erstes oeffnete er das Handy und schaute nach dem Chip. Daran konnte er erkennen, dass das Handy einen Vertrag aus Grossbritannien hatte. Daraufhin verschickte er eine Nachricht mit der Telefon-Nummer unserer Herberge an den Freund des Verlierers. Tatsaechlich! Der Verlierer rief uns an und sagte mir, dass ich das Handy zur Pilgerherberge in Burgos schicken sollte.
Der hat also nun sein Handy wieder! Er hat sich aber nicht bedankt! Aber so sind die jungen Leute heutzutage nun mal!
Die vergessene Brille.
Heute morgen fanden wir beim Reinemachen eine Brille. Die beiden Maenner, die in diesem Raum geschlafen hatten, waren bereits vor 15 Minuten gegangen. Ich hatte also keine Chance, sie einzuholen.
Ich bin also zur Bushaltestelle gelaufen und habe den Bus zum naechsten 5 km entfernten Dorf (Cizur Menor) genommen. Dort habe ich auf dem Dorfplatz gewartet. Hier mussten die beiden vorbeikommen!
Mit der Zeit kamen alle Pilger, die in unserer Herberge geschlafen hatten, vorbei. Die wunderten sich, dass ich dort wartete.
Endlich kamen die beien Maenner vorbei. Ich habe die beiden in die Dorfbar gelotst und ihnen gesagt: "Einer von Euch beiden muss mir einen ausgeben!"
Die waren ganz verduzt! Als ich ihnen in der Kneipe die Brille uebergab, waren sie mir sehr dankbar und haben mir selbstverstaendlich und freudig einen ausgegeben.
Mittwoch, 31. Oktober 2007
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