Sonntag, 27. Mai 2007

Hoellenfahrt im Auto des Jesús Jato

Jesús betreibt mit seiner Frau schon seit vielen Jahren seine private Pilgerherberge "Ave Fenix" in Villafranca del Bierzo. Das ist schon sowas wie eine Traditionsherberge. Nebenan hat die Stadtverwaltung eine eigene staedt. Herberge eroeffnet. Ich empfinde das als unfair gegenueber Jesús und seiner Frau. Deshalb bin ich bei Jesús abgestiegen. Die Herberge ist nicht mehr auf dem neuesten Stand, wird aber mit viel Herz gefuehrt. Jesús und seine Frau sind sowas wie Institionen auf dem Camino.
Jesús bringt fuer Pilger ihre Rucksaecke und manchmal auch die Pilger auf den 1.350 m hohen O´Cebrero.
Am Morgen fragte er mich, ob ich auch nicht ein Stueck mitfahren wolle. Da konnte ich der Versuchung nicht widerstehen und bin die 15 km bis Vega de Valcarce mitgefahren. Ich wusste, dass es die ersten 8 km immer auf dem Seitenstreifen hinter der Leitplanke der Landstrasse entlangging.
Wir waren in seinem Auto 4 Passagiere. Dann gings los. Mir standen bald die Haare zu Berge. Jesús trat heftig aufs Gaspedal und schnippelte nur so die Kurven. Ich dachte jeden Moment, er nimmt die Leitpfosten mit.
Dann ging´s auf die Autobahn. Da legte Jesús erst richtig los. Er wechselte staendig die Fahrbahnen. Er kuemmerte sich ueberhaupt nicht um die Geschwindigkeitsbegrenzungen. Er fuhr, was sein klappriger Wagen hergab. Immer so um die 140 km/h herum. Auch bei den Tunneln, wo 90 km/h vorgeschrieben sind, hielt er seinn Tempo durch. Ja, er ueberholte sogar in den Tunneln die grossen Schwerlaster! Dabei redete er staendig auf mich ein, obwohl ich nix verstand. Dann begann er zu singen. Er lenkte nur mit einer Hand. Die andere Hand lag in seinem Schoss.
Als er mich absetzte, war ich in Schweiss gebadet. Ich musste zunaechst in die Bar um meine Nerven zu beruhigen.